Ich studiere seit geraumer Zeit (...) ev. Theologie und Germanistik auf Lehramt (Sek. I). Die Eltern meines Freundes sind Theologen und auch ich war damals in Jungschar und bin mit einem lockeren Glauben groß geworden.
Wenn ich heute meinen Glauben definieren müsste, dann würde ich mich von manchem distanzieren, da ich mich damit nicht identifizieren kann, wie z.B. altmodische Gottesdienste.
Die Kirche klagt, es gäbe zu wenig theologische Nachkommen, die die Kirche in Schuss halten. Klagt nur weiter, wenn ihr euch nicht öffnet, bzw. eure Kirchentüren 24h am Tag und offener anderen Vorschlägen werdet, dann werden aus vielen Kirchen rustikale Restaurants. Ich wäre die letzte, die solch einen Restaurant-Besuch ausschlagen würde.
Dennoch habe ich das Gefühl, dass der Glauben zur Zeit eines bornierten Papstes und der Herrschaft der Alten und Sterbenden über Politik und Kirche (Kirchenvorstand), in einem allein stattfindet, falls man sich traut.
Genauso sieht mein Glaube aus. Ich suche mir meine Gemeinde unter Freunden und glaube an meinen persönlichen Gott.
Ich habe letztes Fasnachts-Wochenende mit meiner Mutter und ihrer Kollegin aus der Grundschule eine Fortbildung besucht, welche den Titel "Biblische Werkfiguren" trug.
Der Titel mag vielleicht abschreckend und öde für manch einen klingen, der bei Kirche, Bibel, Glauben genervt die Augen verdreht.
So ist aber die Bibel eines der ältesten Schriften- und vor allem Regelwerke der Welt und das meist übersetzte Buch. Eigentlich sind alle Geschichten auf das Hier und Jetzt übertragbar. Es geht nicht darum, dass sich eine Hand in Notsituationen helfend aus dem Himmel stülpt, sondern um die
Vernunft eines jeden Menschen.
Als ich bei Google Kirche eingab, wurden mir verschiedene Vorschläge gemacht, in folgender Reihenfolge: Kirche, Kirchensteuer, Kirchenaustritt...
Nun aber zu dem Kurs. Ziel des Kurses sollte sein, dass jede/jeder Teilnehmer/in mindestens 2 Biblische Werkfiguren am Ende des Kurses fertig gestellt haben soll. Zudem sollte die Veranstaltung von Morgenandachten, Bibliographie (auch
Bibliognosie oder
Bibliologie) usw. begleitet werden sollen. Was mir erst bewusst wurde, als ich mitten in einer solchen Bibliographie steckte und mich sehr unwohl fühlte. Alle anderen (weit älteren Teilnehmer) waren total begeistert, während ich an der Ernsthaftigkeit eines jeden gezweifelt habe. Wir saßen in einer meditativen Runde. Die Pfarrerin las die Geschichte von der Segnung der Kinder vor, dann meldeten sich nach und nach einige TeilnehmerInnen (ein Mann war unter ihnen). Sie sprachen von dem Glück Jesus kennenlernen zu dürfen, von dem Leid bereits Kinder verloren zu haben, von dem Neid, dass die Kinder zu Jesus dürfen, etc. Ich verstand nichts. Außerdem kam hinzu, dass sich die sich die Pfarrerin nach den Wortmeldungen neben die einzelnen TeilnehmerInnen stellte und in predigem Singsang wiederholte, was sie kurz vorher bereits gesagt hatten. Erst gegen Ende dieser Bibliographie wurde mir klar, dass die TeilnehmerInnen für die einzelnen Charaktäre gesprochen haben: Jesus, die Kinder, die Eltern und die neidischen Jünger. Gut, dachte ich mir, damit werde ich nichts anfangen können.
Ich würde mich als distanzierten Menschen bezeichnen, Körperkontakt ist eher nicht meine Stärke, wobei ich mich da sehr verbessert habe. In der letzten Morgenandacht musste ich meinem linken Nachbarn meine linke Hand auf die Schulter legen und meine rechte in den Kreis halten, so als ob ich fallende Regentropfen auffangen wolle. Ich wollte am liebsten im Boden versinken. Menschen die ich nicht kenne, die mir auch nach 3 Tagen Fortbildung fremd waren, anfassen und ein Gebet mit ihnen sprechen? Ist das nicht was persönliches? Ich fühlte mich zu dieser Handlung gezwungen. Das ist das was ich an Kirche nicht mag. Die Mitglieder meinen besonders alternativ zu sein, aber dann herrscht dieser unausgesprochene Zwang: "Wer nicht mitmacht, ist keiner von uns." Sind die, die das machen etwa mehr von Gott geliebt? Bitte...Sollen sie doch.
Die Kursleiterin war eine herrische zwiespältige Person. Einerseits befahl sie gewisse Dinge, ohne sie begründen zu müssen, erzählte kuriose Geschichten und setzte dabei dieses Gesicht auf, dass nur Frauen um die Midlife-Crisis machen, wenn sie sichere Lacher für ihre "Anekdoten" haben wollen (Augenbrauen hochgezogen, Augen zusammengekniffen, das Kinn angehoben und den Kopf dennoch auf den Hals gepresst). Andererseits war sie auch sehr freundlich und ich glaube auch glücklich, wenn man sie im einzelnen um Hilfe bat.
Nun aber zu den
Figuren. Eine gewisse Frau Egli hat diese Figuren erfunden. Sie sind ein kunsthandwerkliches Hilfsmittel zur Darstellung und Erzählen biblischer Geschichten. In verschiedenen Größen (bis zu 30 cm) werden sie im Unterricht, Bibelarbeit, Seelsorge oder Ausstellungen benutzt, um die Geschichten der Bibel anschaulich und begreifbar zu machen. Sie haben kein Gesicht, Gefühle und Absichten werden durch Körpersprache ausgedrückt. Für einen festen Stand sorgen die schweren Bleifüße.
Die Figuren sind sehr beliebt und werden auch im Einzelnen für über 100€ bei Ebay gehandelt.
Das Herstellen ist sehr aufwendig und eine bemerkenswerte Fuddelarbeit.
Ich habe diesen Kurs hauptsächlich aus Neugier besucht. Ich wollte schon immer mal Puppen herstellen.
Im Großen und Ganzen war für mich dieses Wochenende sehr interessant aber auch stressig. Ich dachte dieser Kurs würde entspannend und meditativ ablaufen, nein, man musste im Akkord nähen, kleben, wickeln, klammern, feilen...
Nichts desto trotz bin ich mit meinen Figuren sehr zufrieden, vielleicht sogar stolz.




